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2010-09-12

Google Streetview am Ende - Zensursula setzt Stopschilder ein


Hier ist das letzte Bild einer Kamerafahrt, bevor sie zu einem abrupten Ende kam.

Zufällig anwesende Verkehrsschilder wurden aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht, Personen wurden blau verpixelt.

2010-08-05

Schleichen sind giftig, und ich bin schuld daran

Letzten Sonntag auf der Radtour habe ich eine Blindschleiche vom Weg gesammelt und ins Gebüsch gesetzt, ohne mir Gedanken um die Folgen zu machen.

Schwerer Fehler.

Abends zuhause gehe ich ins Internet und finde das hier bei B. G. Fry:

http://venomdoc.com/forums/viewtopic.php?t=4610

mit Link zum Preprint hier: Bryan Grieg Fry, Kelly Winter, Janette A. Norman, Kim Roelants, Rob J. A. Nabuurs, Matthias J. P. van Osch, Wouter M. Teeuwisse, Louise van der Weerd, Judith E. McNaughtan, Hang Fai Kwok, Holger Scheib, Laura Greisman, Elazar Kochva, Laurence J. Miller, Fan Gao, John Karas, Denis Scanlon, Feng Lin, Sanjaya Kuruppu, Chris Shaw, Lily Wong, Sanjaya Kuruppu, Wayne C. Hodgson: Functional and structural diversification of the Anguimorpha lizard venom system.

Man stelle sich den Horror vor, wenn ich ein Kätzchen gerettet hätte und am selben Abend alle Katzen giftig geworden wären. Wahrscheinlich hätte es in der Nacht noch Millionen Tote gegeben.

Nun zum Thema. Untersucht wurden allerlei Warane (lasse ich hier weg, da jeder weiß, dass die giftig sind), Krustenechsen (dito) und drei echte Schleichen (Anguidae): Celestus warreni (Giant Hispaniolan Galliwasp, keine Ahnung, wie das auf deutsch heißt, ist aus Haiti und vom Aussterben bedroht und hat Beine (wenn auch recht kleine)); Gerrhonotus infernalis (Texas Alligator Lizard, bis 60cm lang, Texas, mit Beinen) und Ophisaurus apodus (auch Pseudopus apodus [2], Scheltopusik, bis 1.4m lang, lebt im Balkanraum); außerdem einige wenig bekannte Arten (Shinisaurus crocodilurus und Lanthanotus borneensis, letzteres ein Waran im weiteren Sinne).

Hier ist ein Cladogram der Anguimorpha mit Markierungen der Gifterwerbsereignisse (Bild 1 auf S. 26 im Original).



Wenn ein Gerrhonotus zum Radiologen kriecht und Kernspin vom Kopf machen lässt, sieht das so hier aus (Bild 14, S. 39):



Das orange-lila-gestreifte sind die Abschnitte der Unterkiefergiftdrüse.

Beim Scheltopusik sieht das Maul im Querschnitt so aus (die Oberkiefergiftdrüse ist mit "mmxvg" markiert, die Unterkiefergiftdrüse mit "mmvg", das ganze ist ein kleiner Ausschnitt aus Bild 15, S. 40):



Das ist insofern interessant, als hier die ursprüngliche Ausstattung der Toxicofera (Giftdrüsen im Ober- und Unterkiefer) erhalten geblieben ist.

Leider wurde unsere Blindschleiche (Anguis fragilis) nicht mit untersucht. Aufgrund ihrer Stellung im Stammbaum würde ich ebenfalls Giftdrüsen erwarten, allerdings weitgehend verkümmert wegen [0], und das Gift eventuell kaputtmutiert (analog zur kaputten PLA2 in Aipysurus eydouxii, siehe [1]).

[0] Ungeziefer braucht man vor dem Verzehr nicht vergiften, wenn es sich nicht gerade um Scorpione handelt (das machen einige Echis in manchen Gegenden und haben das passende Gift dazu, siehe Ituri visit + The Scorpion Experiment (viperkeeper auf youtube) oder W. Wüster et al. Co-evolution of diet and prey-specific venom activity supports the role of selection in snake venom evolution).

[1] Fry BG et al.Putting the brakes on snake venom evolution: the unique molecular evolutionary patterns of Aipysurus eydouxii (Marbled sea snake) phospholipase A2 toxins

[2] Ich weiß nicht, wie aktuell die Gattungsnamen sind oder ob vielleicht Pseudopus paraphyletisch bezüglich Ophisaurus ist.

2010-08-02

Cthulhu startet Luftwaffenmanöver

Gelegentlich umherfliegende Beobachtungskalmare (siehe http://tolweb.org/Ommastrephidae/19418) sind ja nichts besonderes mehr (war vor über einem Jahr auf Pharyngula und kurz danach bei Bruce Schneier), aber jetzt scheint es systematisch loszugehen (wird ja auch Zeit, in etwas über einem Jahr sind die Säugetiere schließlich weg (die Steintafeln stürzen wegen des Y13.0.0.0.0-Bugs ab)).

http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=can-squid-fly

Wie sich herausstellt, springen die nicht nur aus dem Wasser und gleiten, sondern schlagen mit den FlügelnFlossen und benutzen die Arme zum Lenken.

Das Paper ist hier: http://www.bio.miami.edu/robinson/research/jmollstud04.pdf
(die bei SciAm verlinkte Seite ist nur eine Paywall).

An den C-Waffen arbeiten sie noch (momentan führen die Kanäle der Giftdrüse zum Schnabel -- siehe http://venomdoc.com/venomdoc/Scientific_publications_files/2009_Fry_Tentacles_of_Venom.pdf, was für den luftgestützten Einsatz etwas unpraktisch ist).

In other news: Spirit fhtagn.
Ob da ein Zusammenhang besteht?

2010-07-05

Neues von Elysia

Die lustige Wasserschnecke mit geklauten Chloroplasten (Elysia chlorotica) versorgt wirklich, wie damals schon angedeutet, ihre Chloroplasten mit Genprodukten aus dem Zellkern der gefressenen Alge.

Ein Unpaper[0] ist hier: http://www.springerlink.com/content/j366g42454t38680/.

Ein Paper ist hier: Rumpho ME, Worful JM, Lee J, Kannan K, Tyler MS, Bhattacharya D, Moustafa A, Manhart JR.: "Horizontal gene transfer of the algal nuclear gene psbO to the photosynthetic sea slug Elysia chlorotica."

[0] Das ist, in Anlehnung an kopierabspielgesperrte "CDs", ein (z.B. durch Paywall) gegen Lesen geschütztes Paper.

2010-06-30

Vuvuzela tone holes - Tonlöcher

Since many people on teh intertubez asked for the positions and diameters of the needed holes, I write this post in both languages so that searchers will find it.
The single-piece vuvuzela available here in .de is 67 cm long (for users of imperialist units: 1 in=2.54 cm).
The hole positions are measured from the lower end.
The distance between the first and second hole is very inconvenient, I'll probably glue the first hole and drill another one closer to the second one. This should not cause a big difference - I still can optimize the diameter, and the sound is rather bad in the upper octave anyway, so this compromise should not cause trouble.
You should start with smaller holes first and then expand them by tuning.

Da viele Leute fragen, wie und wo man die passenden Tonlöcher bohren muss, habe ich das hier in beiden Sprachen geschrieben. Ich benutze eine einteilige Vuvuzela aus dem Baumarkt mit 67 cm Länge. Die Lochpositionen sind vom unteren Ende aus gemessen.
Der Abstand zwischen den ersten beiden Löchern ist unbequem für den kleinen Finger, wahscheinlich klebe ich das erste zu und bohre ein anderes weiter oben, wobei ich den Fehler durch Variation des Durchmessers korrigiere. Das kann zwar nicht in beiden Oktaven gleichzeitig klappen, aber in der oberen klingt das Instrument sowieso nicht gut.
Ich empfehle, die Löcher erstmal etwas kleiner zu bohren und dann beim Stimmen aufzuweiten.

Positions/Positionen
1. 29.7 cm
2. 34.5 cm
3. 37.7 cm
4. 40.8 cm
5. 45.0 cm
6. 48.3 cm
7. 51.0 cm

Diameters/Durchmesser
1. 7 mm
2. 5 mm
3. 4 mm
4. 5.5 mm
5. and 6. 4.5 mm
7. 4 mm

Data scaled approximately from/Daten aus folgendem Bild skaliert:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e1/Salmaj.jpg

Video:
http://www.youtube.com/watch?v=71PvcXxSX7A

2010-06-28

Thunfisch ist alle

NYT hat einen recht ausführlichen Artikel zur gerade anstehenden Ausrottung des Blauflossenthunfischs (Thunnus thynnus):
http://www.nytimes.com/2010/06/27/magazine/27Tuna-t.html?hpw=&pagewanted=all

Das die International Conspiracy to catch all tuna [0] das tut, was man von ihr denkt, war nicht verwunderlich. Sch0n anrüchiger ist das Ergebnis (oder besser Nicht-Ergebnis) der letzten Cites-Sitzung (März 2010).

Der Hintergrund für den fortgesetzten Fang (es handle sich um eine alte japanische Tradition) ist genauso erstunken und erlogen wie beim Walfang (Walfleisch wird japanischen Schulkindern von der Regierung aufgezwungen, freiwillig isst das niemand außer anderes Wort zur Vermeidung diplomatischer Verwicklungen gelöscht "Patrioten"). Roter Thun ist einfach ein teurer, perverser Luxus als Sushi-Füllung.

Noch weniger Verständnis ist allerdings für das Verhalten der EU möglich, welche erklärt hatte, selbst bei einem Cites-Erfolg weiter zu fangen.

Weltweit gibt es zwei Laichgebiete: Westliches Mittelmeer und Golf von Mexico, Laichzeit ist ab Juni. Die westliche Population wird gerade in Öl eingelegt.

[0] Die Suchhilfe von Google hat das auch schon gemerkt:

2010-06-27

Deutsch als Fremdsprache tut gut

Gefunden in der FR vom letzten Dienstag (2010-06-24), S. D3 in einem Vergleich der Bundesländer bezüglich des Bildungserfolges der Schulkinder:



Interessant ist vor allem, dass in der Deutschkompetenz gerade die beiden Bundesländer führen, in denen Deutsch eine Fremdsprache ist. Die Rangfolge in anderen Kompetenzbereichen weicht hiervon ab, es liegt also nicht (oder zumindest nicht allein) an irgendwelchen Unterschieden im Bildungssystem.