2013-10-14

Optimale Position zentraler Veranstaltungen

Wie wichtig ist es, Parteitage und Stammtische in die Mitte der Region zu legen?

Abstract

Der Unterschied zwischen optimaler und suboptimaler Lage eines Treffpunktes über die Fläche verteilter Teilnehmerinnen erweist sich als kleiner als vermutet.  Das legt nahe, andere Kriterien (Lage an Verkehrslinien, preisgünstige Veranstaltungsräume und Übernachtungsmöglichkeiten, besonders kurze Anreise für Transporteure voluminöser Gerätschaften usw.) in Betracht zu ziehen.

Einleitung

Piratenintern hatten wir kürzlich (Mittelerde-Barcamp) die Diskussion, wo zentrale Veranstaltungen (von Stammtisch bis hin zum BPT) stattfinden sollten.  Da ist es naheliegend, den Mittelpunkt des Einzugsgebietes zu nehmen (über eine Gewichtung nach Teilnehmerinnendichte usw. kann man natürlich nachdenken, das ändert das Problem aber nur marginal).  Für mich ergab sich daraus zwangsläufig die Frage: Wie optimal ist das wirklich, und wie groß ist der Vorteil?

Ergebnisse

Nehmen wir zuerst den einfachsten Fall: Wir haben zwei Personen A und B, und die wohnen an den Positionen "0" und "1" einer geraden Strecke.  Dann sind alle Punkte im Innern der Strecke gleichwertig - wenn wir den Treffpunkt ein wenig nach rechts verschieben, muss A um diesen Betrag weiter fahren, B entsprechend weniger.  Erst bei einem Treffpunkt außerhalb des Einzugsgebietes nimmt die Fahrstrecke zu.
Zu dritt ändert sich das ein wenig - B wohnt jetzt in der Mitte, die Summe der Fahrstrecken für A und C ist weiterhin konstant, aber bei außermittiger Lage des Treffpunktes muss B fahren.  Jetzt sind die Endpunkte etwas (um 50%) schlechter als der Mittelpunkt.
Man sieht schon, wo das hingeht - wenn wir die Anzahl hochsetzen, erhalten wir eine Parabel im Innern und eine zur Parabel tangentiale lineare Steigerung außen.  Hier ist ein Beispiel für 40 Teilnehmerinnen:
Wie man sieht, ist die Streckensumme für den ungünstigsten sinnvollen Treffpunkt jetzt doppelt so groß wie für den Mittelpunkt.  Zweitens bedenke man, dass Parabeln in der Nähe des Scheitelpunktes relativ flach verlaufen - wenn man mäßig vom Optimum abweicht, ist der Schaden gering (das gilt allgemein für Optimierungen stetiger Größen).  So beträgt die optimale Summe (d.h. Treffpunkt bei 0.5) im letzten Beispiel 10.26 Einheiten.  Wenn man um 10% der Ausdehnung des Einzugsgebietes abweicht, wächst sie nur um 0.39 Einheiten auf 10.65.

In zwei Dimensionen ist das etwas schwieriger.  Wie beginnen mit der kleinsten Variante: Ein Quadrat mit vier an den Ecken wohnenden Teilnehmerinnen.  Das Optimum liegt klar in der Mitte, aber ist nicht mehr komplett gleichgültig.  Wenn man den Treffpunkt entlang der Diagonalen AC verschiebt, ändert sich für die Summe  der Entfernungen für A und C nichts.  Für B und D steigt aber der Aufwand geringfügig - die Hypothenuse eines rechtwinkligen Dreiecks ist immer länger als die längste Kathete.  Allerdings ist dieser Unterschied vernachlässigbar klein, wenn die kurze Kathete sehr kurz ist.  Im Extremfall (Treffpunkt an einer der Ecken) ist die Summe um ca. 20% größer als das Minimum.
 
Auch hier nimmt der Nachteil eines dezentralen Treffpunktes zu, wenn Leute im Innern der Fläche wohnen.
Für 9 Personen sieht das Diagramm so aus:
Der Nachteil der Ecken gegenüber dem Mittelpunkt beträgt jetzt 52% (7.36 statt 4.83 Einheiten).

Jetzt nehmen wir wieder eine Teilung der Kantenlänge in 39 Teile (d.h. 40×40=1600 Teilnehmerinnen).  Das Bild sieht dann so aus:
Jetzt ist die Eckposition doppelt so schlecht wie der Mittelpunkt.  Aber eine Verschiebung des Treffpunkts um je eine Zehnteleinheit nach Norden und Osten bewirkt nur eine Verschlechterung um 4.4%.

Methoden

Auf Methoden der höheren Mathematik wurde in der gesamten Arbeit verzichtet, wenn auch der eindimensionale Fall im Grenzwert von ∞ vielen Teilnehmern damit triviel zu behandeln ist.  Alle Berechnungen wurden unmittelbar in gnuplot durchgeführt und dargestellt.  Hier sind die verwendeten Funktionsdefinitionen.
        User-Defined Functions:
        f(x,a,n)=abs(x-(1.0*a/n))
        g(x,n)=gs(x,n,n)
        gs(x,m,n)=(m<0)?0:(f(x,m,n)+gs(x,m-1,n))
        hyp(x,y)=sqrt(x*x+y*y)
        F(x,y,a,b,n)=hyp(x-1.0*a/n,y-1.0*b/n)
        G(x,y,n)=Gss(x,y,n,n)
        Gss(x,y,m,n)=(m<0)?0:(Gss(x,y,m-1,n)+Gs(x,y,m,n,n))
        Gs(x,y,m,r,n)=(r<0)?0:(Gs(x,y,m,r-1,n)+F(x,y,m,r,n))
Dabei sind die Funktionen für den eindimensionalen Fall mit Kleinbuchstaben, die für den zweidimensionalen Fall mit Großbuchstaben bezeichnet.  f(x,a,n) liefert die Fahrstrecke für Teilnehmerin a (von 0..n) zum Treffpunkt x, analog F(x,y,a,b,n)n+1 bezeichnet jeweils die Zahl der Teilnehmerinnen entlang einer Dimension.  gs, Gs und Gss sind rekursive Hilfsfunktionen (gnuplot erlaubt Rekursion, sofern man mit Hilfe des ternären Operators die Terminierung garantiert).  Da die Division ganzer Zahlen in gnuplot auch als Ganzzahldivision ausgeführt wird, wurde sicherheitshalber an allen relevanten Stellen "1.0*" eingebaut (da der Funktionsparser in gnuplot von links nach rechts arbeitet, reicht das - richtig sicher wäre "(1.0*a)/n" statt "1.0*a/n").
Für die Forschungen wurden keine tentakeligen Versuchstiere belästigt oder getötet (tentakellose sind irrelevant).

Possible conflicts of interest

Der Autor betreibt keinen Trollibusdienst und strebt kein Bundestagsmandat an.

2013-03-09

Vortragsnotizen aus "Zu Islamfeindlichkeit und antimuslimischem Rassismus"

Vortragsnotizen aus "Zu Islamfeindlichkeit und antimuslimischem Rassismus"

  • Referentin: Pia Probst (NIR)
  • Teil der Vortragsserie "Als die Salafisten kamen..."
  • 3 Vorträge jeweils im Religionswissenschaftlichen Institut, Schillerstraße 6, 04109 Leipzig, Raum S-102, 19:00
    • 2013-03-04 "Zu Islamfindlichkeit und antimuslimischem Rassismus", Pia Probst (NIR)
    • 2013-03-18 "Salafit_innen", Florian Illerhaus (Religionswissenschaft)
    • 2013-03-25 "Medienereignis Salafismus", Hannah Schultes und Sebastian Friedrich (NARI)
    • Veranstalter:
  • Stichpunkte (werden ergänzt und korrigiert, sobald das Vortrags-PDF im Netz verfügbar wird). Fehler sind meine. Anmerkungen in eckigen Klammern sind von mir.
  • Anlass der Vortragsreihe: NPD-Hetze und Gegenaktionen im Umfeld der Moschee Roscherstraße, 2012
  • FB-Seite der Veranstaltung

Gliederung

  1. Antimuslimischer Rassismus - gibt es das überhaupt?
  2. Was ist Antimuslimischer Rassismus?
  3. Kulturalisierung des Islam
  4. Mediale Diskurse in der BRD
  5. Begriffsdiskussion

1. Antimuslimischer Rassismus - gibt es das überhaupt?

  • Untersuchung vo Heitmeyer 2011
    • 68% der Muslime werden (mindestens) oft diskriminiert
    • 17% erlebten, dass sie selbst oder Verwandte wegen des Kopftuchs belästigt wurden (da nur 20-30% der Muslimas Kopftuch tragen, ist das ein erheblicher Anteil)
    • Muslime vermeiden Moscheebesuche aus Furcht, dabei beobachtet und später angegriffen zu werden
  • Studie über Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (im weiteren als "GMF" abgekürzt), 2007
    • 28% der Befragten befürworten ein Einwanderungsverbot für Muslime
  • Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2012, http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_12/mitte-im-umbruch_www.pdf, S. 86 ff.
    • 57% der Deutschen lehnen volle Rechte für Muslime ab

2. Was ist Antimuslimischer Rassismus?

  • Es gibt kulturalisierenden Rassismus, welcher ohne die (ohnehin falsche) Behauptung der Existenz von Rassen funktioniert. Er konstruiert die Objekte seiner Diskriminierung erst.
  • Kriterien
    • Homogenisierung
      • Annahme, dass sich Gruppenmitglieder aufgrund der Übereinstimmung in einem Merkmal auch in anderen Merkmalen gleichen
        • führt zu Essenzialisierungen wie "der Islam", "der Westen"
      • Polarisierung, Dualismus
        • Zwei Kulturen werden als unvereinbar gegenübergestellt
    • Bewertung
      • Anmerkung: selbst positiv formulierte Bewertungen sind oft negativ
      • Legitimierung von Hierarchien
    • Privilegierte Sprecherposition
      • wer rassistische Äußerungen tätig, hat vom Rassismus oft direkte oder indirekte (d.h. für seine Gruppe) Vorteile

3. Kulturalisierung

4. Mediale Diskurse

5. Begriffsdiskussion

  • [im PDF eventuell falsch als "6." numeriert]
  • Vergleich verschiedener Bezeichnungen
    • "Islamophobie"
      • psychologisierend (Angst)
      • zielt auf Islam statt Muslime
    • "Islamfeindlichkeit"
      • besser, aber immer noch "Islam" statt "Muslime"
      • "Muslimfeindlichkeit" vorgeschlagen, aber nicht verbreitet
    • "Antimuslimischer Rassismus" (Shooman)

Anschließende Fragerunde/Diskussion

[nur teilweise notiert]
  • Kann man noch aufklärerisch diskutieren?
    • Ja, aber nicht homogenisieren/essenzialisieren (s.o.)
    • Nicht "Aufklärung" und "Westen" gleichsetzen
  • Unterscheidung "Islamfeindlichkeit" ↔ "Muslimfeindlichkeit", um Ablehnung einer Ideologie von GMF abzugrenzen?
    • im Prinzip ja, aber "Islamfeindlichkeit" ist besetzt
    • Rassisten verwenden "Islamkritik" für sich, um die Abgrenzung zu erschweren
  • Die NPD verwendet den Fakt, dass antimuslimische Äußerungen weniger kritisiert werden, als Einstiegsrassismus in der Propaganda

2013-02-17

Notizen von der Crowdfunding-Veranstaltung der Piraten-HSG Leipzig

Syntax: Wiki

= Piraten-Hchschulgruppe =

* <2013-02-12 Di 19:00> Bibliotheca Albertina
* Gast: Lars von Visionbakery (im weiteren "+VB")

= Einige Fakten =

* Wenn das gesammelte Geld nicht reicht, geht es an die Einzahler zurück
* Einnahmen der Visionbakery selbst: Provision aus den Einnahmen der
erfolgreichen Projekten

* Alternative Einnahmequelle anderer Crowdfunding-Unternehmen:
Spendenanteil an den Einzahlungen
* Startnext macht auch etwas anderes
** nachgeschlagen: offenbar sind Premium-Dienste gemeint
http://faq.startnext.de/Premium_Services/id/Welche+Dienstleistungen+werden+von+Startnext+angeb-182/modul/Premium+Dienste/aid/225

= Fragen =

* Umgang mit betrügerischen Projekten
** noch nicht vorgekommen
** +VB prüft die Identität desd Projektinitiators und die Verwendung des Geldes
** rechtlich abgesichert
** Geldgeber kann Initiator verklagen
** ohne Reputation bekommt man ohnehin nicht viel Geld zusammen

* Größe der Projekte (Anmekrung z.T. Millionen $ in USA)
** in .de wenige und klein
** typisches Ergebnis: 150-200%
** größtes Eizelergebnis: ca. 15000 € gesammelt
** Unterschiede .de↔.us:
*** .de hat Förderstruktur, .us nicht ⇒ drüben mehr Spendiermentalität
*** Deutsche sind risikoscheuer

* Kann man mit nur 3 Bekannten ein Projekt starten?
** im Prinzip ja, aber Fangemeinde ist besser

* Warum soll man als Geldgeber der Crowdfunding-Plattform vertrauen
und nicht direkt der Band?
** Crowdfunding-Plattform ist nur eine Art Dienstleister (vorstellbar
wie Webhoster, nur mehr Leistungen)
** das Geld geht an das Projekt

* Kann mal als Künstler davon leben?
** schwierig
** Crowdfunding ist keine Alternative zu Verlagen, eher eine Ergänzung
** dient als Anschubfinanzierung

* Spieleprogramierung finanziert bei Kickstarter u.ä.: die ersten 1000
Geldgeber kriegen eine Erwähnung im Abspann
** bei +VB sind die meisten Projekte Film, Musik, soziales, da geht das schlecht
** immaterielle Wertschätzung, z.B. Postkarten von einem Sozialprojekt
** es kommen kaum Gelder von Firmen
*** Warum?
**** vermutlich weil die Firmen befürchten, dass ihr Engagement für
Schleichwerbung gehalten werden kann
**** weil es relativ unbekannt ist
**** Rechtssicherheit

* Anteil erfolgreicher Projekte?
** Erfolgrate 40-50%
** 80% des eingehenden Geldes erfolgreich (d.h. die erfolglosen
Projekte kriegen sehr wenig Geld eingeworben)

* Wäre das denkbar ohne Internet?
** definitiv nicht so gut
** Freiheitsstatue wurde teilweise aus Spenden finanziert

* Wäre eine Unternehmensgründung oder ein Forschungsprojekt an einer
Uni so machbar?
** ja

* Wie kann man Crowdfunding bekannter machen?
** fragen sie sich gerade selbst

* Ablehnungskriterien
** rechtsradikale oder gewaltverherrlichende Projekte

* (meine Frage) Bedrohung der Unabhängigkeit von Wissenschaft und
Kultur, wenn Crowdfunding sich massiv durchsetzt?
Erläuterung: Steuergerechtigkeit: 1 € Einkommen ≈ x ¢ Steuer,
Demokratie:1 Person = 1 Stimme, Stimmen verteilen Steuergelder.
Crowdfunding ergibt 1 € = 1 Stimme, das verschiebt das Gewicht und
wird ungerecht
** Problem bekannt, deswegen kann das keine Alternative zur
staatlichen Förderung sein

* Urheberrechtsfragen: nicht unmittelbar betroffen

* Gibt es Projekte unter freier Lizenz, z.B. CC?
** z.Z. nicht, alle Film- und Musikprojekte sind kommerziell
** Sozialprojekte sind sowieso anders

* (meine Frage) kann man den Crowdfunding-Betrqag so hoch ansetzen,
dass das Ergebnis hinterher frei ist?
** theoretisch ja, ist bei +VB noch nicht vorgekommen
** gibt es aber evtl. bei Kickstarter

* Blender Foundation macht spendenfinanzierte Filme, die werden auf Youtube veröffentlicht und einige Zeit später frei verfügbar

* Motivation der Unterstützer
** ∃ eine Untersuchung dazu, die will er heraussuchen

* Generelles Problem, dass bekannte Künstler leichter und mehr Geld
kriegen als unbekannte
** bekannt, nicht einfach