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2011-09-18

Sarah Palin and Lyssenko

I just began to understand Sarah Palin, and here is how:

Under Stalin, Darwinism was outlawed (they had Lyssenkoism[0]). If the secret police found fruit flies in your house, you were shot or sent to Gulag because one can test Mendel's rules using them. Sarah Palin recently told she wants to stop fruit fly research. And her name rhymes with Stalin. And she can see Russia from her bathroom window. This is all really scary now when we know the connections.

I'm just reading "Weiße Gewänder"[3,5] by Wladimir Dmitrijewitsch Dudinzew[2,6].

Weiße␣Gewänder

The original is "Белые одежды" by Дудинцев, Владимир Дмитриевич, an english translation exists ("White Garments", ISBN 9780091736095, the author's name is spelled "Dudintsev" there).

[0] A crude version of Lamarckism kept alive by police violence (and by publishing fake experimental results or mistaking disease-caused plant deformations for species transmutations).

[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Dudintsev

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Dmitrijewitsch_Dudinzew

[3] Sorry, no Wikipedia page except for the russian one: http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%91%D0%B5%D0%BB%D1%8B%D0%B5_%D0%BE%D0%B4%D0%B5%D0%B6%D0%B4%D1%8B_(%D1%80%D0%BE%D0%BC%D0%B0%D0%BD) but google-translate gives a readable result (except for the word "shearer" which is the name "Strigalev"[4]). The Belorussians even made a movie from the book: http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%91%D0%B5%D0%BB%D1%8B%D0%B5_%D0%BE%D0%B4%D0%B5%D0%B6%D0%B4%D1%8B_(%D1%84%D0%B8%D0%BB%D1%8C%D0%BC)

[4] I think google-translate should really start parsing the text now (currently they are only doing a search-and-replace using their huge corpus of texts available in multiple languages). This gives funny results: "начатую Стригалевым" means "begun by Strigalev" (the preposition "by" is silent in russian and requires the instrumental case, ending in "ym") but comes out as "begun Strigalevym".

[5] ISBN 3.353-00508-0, Verlag "Volk und Welt" Berlin, 1990.

[6] "Dudinzew" is the ancient german transcription of Dudincev[1]).

2011-05-09

Hände dreckig durch Waschen

Dass allerlei Dinge im Haushalt wesentlich sauberer oder schmutziger sind als gedacht, hat sicher jeder schon mal gehört (ahnungslos gelandete Aliens würden (nach Durchführung der notwendigen Analysen) aus dem Klo trinken und sich auf Zahnbürste, Tastatur oder Küchenschwamm entleeren).

Aber es geht noch besser: Flüssigseife aus dem Spender kann so versifft sein, dass die damit gewaschenen Hände hinterher verkeimter sind als vorher. Das Paper (frei verfügbar) ist hier:

http://aem.asm.org/cgi/content/full/77/9/2898

Auf dem Bild sieht das dann so aus (das ist etwas groß, aber die Copyrightbestimmungen auf
http://aem.asm.org/cgi/content-nw/full/77/9/2898/F1 verbieten das Herunterladen und Wiederveröffentlichen, deswegen muss ich auf das Original verlinken - eingebettet ist ein kleines GIF, der Link zeig auf das große JPG, beide liegen bei AEM):



Die linken Bilder sind von vor dem Waschen, die rechten danach.
Die Bilder der oberen und unteren Reihe entsprechen verschieden stark kontaminierter Flüssigseife (zu Testzwecken mit Serratia marcescens angesetzt), die verwendete Konzentration in der unteren Reihe liegt ein wenig über der, die in den Spendern in öffentlichen Toiletten gefunden wurde. S. marcescens ist übrigens der Keim, mit dem man im Mittelalter Blutwunder (blutende Hostien usw.) vollbrachte, wenn man Juden ermorden wollte. Bei immungeschwächten Personen kann diese Art Krankheiten verursachen, im Versuch diente sie einfach als Marker.

Eine Aufschlüsselung über die Kontamination der Händer auf die verwendeten Spender sieht so aus (die beiden Balken rechts sind die Kontrollgruppe, dort wurden unverseuchte Spender verwendet):


Jetzt die gute Nachricht: Ernsthaft verkeimte Waschlösung fand sich nur dort, wo nachfüllbare Spender verwendet wurden. An Spendern, in denen die gesamte Flasche und die Dosierdüse nach Verbrauch getauscht wurden, bestand das Problem nicht.

Gefunden habe ich das alles im Blog von Jonathan Eisen (das ist der, der Meerwasser sequenziert hat und dabei eventuell eine vierte Lebensform entdeckt hat).

2010-12-13

Tchibo-USB-Mikroskop

Hier erstmal die Daten aus der Beschreibung:
  • 1.3 Megapixel
  • 8 LEDs (ringförmig um das Objektiv angeordnet)
  • USB-Kabel (ca. 1m)
  • Vergrößerung 10×-200× (sinnlose Angabe, da der Input eine Länge und der Output eine Pixelanzahl ist)
  • Auflösung: 2896 dpi (dass ist das sinnvolle Gegenstück zur vorhergehenden Zeile)

Erster Eindruck


Für 60 € darf man kein Wunder (oder gar ein "richtiges" Mikroskop) erwarten, man bekommt maximal eine Webcam mit kurzer Brennweite und ein wenig Mechanik drumherum. Die Halterung ist primitiv, aber wenigstens ein Teil davon saugt nicht: der Saugnapf zur Befestigung auf dem Tisch. Das ist aber zu verschmerzen, im Gegensatz zu ähnlich klapprigen Haltungen bei billigen Teleskopen, da man Mikroskope weder minutengenau ausrichten noch nachführen muss.

Betrieb


Suse 11.2/64


Dranstecken, mplayer tv:/// oder xawtv sagen, geht. Allerdings nur in VGA-Auflösung (d.h. 640×480), das liegt wohl an irgendwelchen Kernelmodulen, die das nicht besser können. Herumspielen an den vielen Optionen der beiden Programme hat nicht geholfen.

Suse 10.2/64


Dranstecken, probieren, System meckert: keine /dev/video0. Anlegen mit mknod hilft nicht - dann ist das Device da, aber geht nicht. Lösung nach Umgraben des kompletten Internets auf irgendwo bei Opensuse gefunden: Man hole sich uvcvideo (das Forum sagt "uvcvideo-r52.tar.gz", inzwischen liegt dort r104) von http://mxhaard.free.fr/download.html (dort gibt es auch die spca- und gspca-Treiber für Logitech-Webcams, falls die jemand brauchen sollte), bauen (gemäß enthaltener README), geht (allerdings auch nur in 640×480). Mit xawtv geht nichts (man bekommt nur ein schwarzes Fenster der Größe 320×240). Vom Mplayer hatte ich zwei Versionen: "1.0rc1-4.1.2" und "SVN-r29471-snapshot-4.1.2", nur der neuere geht. mplayer tv:// -vf screenshot erlaubt Screenshots (Taste 's' drücken).

Windows 7/64


Funktioniert mit der mitgelieferten Treiber-CD, weitere Versuche gab es noch nicht.

Testbild


(Streichholzkuppe)

2010-10-31

Wieder mal Golfstrom

Ich will schon mal nachschlagen, ob ich mir im Winter wieder das Bein breche oder so. Deswegen hier ein paar Bilder. Hier ist die Oberflächentemperatur:



Das sieht fast aus wie im Winter damals, aber das liegt wohl daran, dass die Temperaturdifferenz zum umgebenden Wasser an der Oberfläche nicht so groß ist. Zumindest die Strömung ist noch da:



Quelle ist wie immer NOAA

Michele Bachmann on Science : Greg Laden's Blog

Der Wettlauf geht weiter: Christine O'Donnell muss unterboten werden.



Gefunden bei
Michele Bachmann on Science : Greg Laden's Blog

2010-08-05

Schleichen sind giftig, und ich bin schuld daran

Letzten Sonntag auf der Radtour habe ich eine Blindschleiche vom Weg gesammelt und ins Gebüsch gesetzt, ohne mir Gedanken um die Folgen zu machen.

Schwerer Fehler.

Abends zuhause gehe ich ins Internet und finde das hier bei B. G. Fry:

http://venomdoc.com/forums/viewtopic.php?t=4610

mit Link zum Preprint hier: Bryan Grieg Fry, Kelly Winter, Janette A. Norman, Kim Roelants, Rob J. A. Nabuurs, Matthias J. P. van Osch, Wouter M. Teeuwisse, Louise van der Weerd, Judith E. McNaughtan, Hang Fai Kwok, Holger Scheib, Laura Greisman, Elazar Kochva, Laurence J. Miller, Fan Gao, John Karas, Denis Scanlon, Feng Lin, Sanjaya Kuruppu, Chris Shaw, Lily Wong, Sanjaya Kuruppu, Wayne C. Hodgson: Functional and structural diversification of the Anguimorpha lizard venom system.

Man stelle sich den Horror vor, wenn ich ein Kätzchen gerettet hätte und am selben Abend alle Katzen giftig geworden wären. Wahrscheinlich hätte es in der Nacht noch Millionen Tote gegeben.

Nun zum Thema. Untersucht wurden allerlei Warane (lasse ich hier weg, da jeder weiß, dass die giftig sind), Krustenechsen (dito) und drei echte Schleichen (Anguidae): Celestus warreni (Giant Hispaniolan Galliwasp, keine Ahnung, wie das auf deutsch heißt, ist aus Haiti und vom Aussterben bedroht und hat Beine (wenn auch recht kleine)); Gerrhonotus infernalis (Texas Alligator Lizard, bis 60cm lang, Texas, mit Beinen) und Ophisaurus apodus (auch Pseudopus apodus [2], Scheltopusik, bis 1.4m lang, lebt im Balkanraum); außerdem einige wenig bekannte Arten (Shinisaurus crocodilurus und Lanthanotus borneensis, letzteres ein Waran im weiteren Sinne).

Hier ist ein Cladogram der Anguimorpha mit Markierungen der Gifterwerbsereignisse (Bild 1 auf S. 26 im Original).



Wenn ein Gerrhonotus zum Radiologen kriecht und Kernspin vom Kopf machen lässt, sieht das so hier aus (Bild 14, S. 39):



Das orange-lila-gestreifte sind die Abschnitte der Unterkiefergiftdrüse.

Beim Scheltopusik sieht das Maul im Querschnitt so aus (die Oberkiefergiftdrüse ist mit "mmxvg" markiert, die Unterkiefergiftdrüse mit "mmvg", das ganze ist ein kleiner Ausschnitt aus Bild 15, S. 40):



Das ist insofern interessant, als hier die ursprüngliche Ausstattung der Toxicofera (Giftdrüsen im Ober- und Unterkiefer) erhalten geblieben ist.

Leider wurde unsere Blindschleiche (Anguis fragilis) nicht mit untersucht. Aufgrund ihrer Stellung im Stammbaum würde ich ebenfalls Giftdrüsen erwarten, allerdings weitgehend verkümmert wegen [0], und das Gift eventuell kaputtmutiert (analog zur kaputten PLA2 in Aipysurus eydouxii, siehe [1]).

[0] Ungeziefer braucht man vor dem Verzehr nicht vergiften, wenn es sich nicht gerade um Scorpione handelt (das machen einige Echis in manchen Gegenden und haben das passende Gift dazu, siehe Ituri visit + The Scorpion Experiment (viperkeeper auf youtube) oder W. Wüster et al. Co-evolution of diet and prey-specific venom activity supports the role of selection in snake venom evolution).

[1] Fry BG et al.Putting the brakes on snake venom evolution: the unique molecular evolutionary patterns of Aipysurus eydouxii (Marbled sea snake) phospholipase A2 toxins

[2] Ich weiß nicht, wie aktuell die Gattungsnamen sind oder ob vielleicht Pseudopus paraphyletisch bezüglich Ophisaurus ist.

2010-07-05

Neues von Elysia

Die lustige Wasserschnecke mit geklauten Chloroplasten (Elysia chlorotica) versorgt wirklich, wie damals schon angedeutet, ihre Chloroplasten mit Genprodukten aus dem Zellkern der gefressenen Alge.

Ein Unpaper[0] ist hier: http://www.springerlink.com/content/j366g42454t38680/.

Ein Paper ist hier: Rumpho ME, Worful JM, Lee J, Kannan K, Tyler MS, Bhattacharya D, Moustafa A, Manhart JR.: "Horizontal gene transfer of the algal nuclear gene psbO to the photosynthetic sea slug Elysia chlorotica."

[0] Das ist, in Anlehnung an kopierabspielgesperrte "CDs", ein (z.B. durch Paywall) gegen Lesen geschütztes Paper.

2010-05-15

Denkender Schleimpilz

Nicht, dass Ihr denkt, es wird erst dann lustig, wenn die Kopffüßer an Land kommen (man kann allerdings vorsorgen - die größte denkbare Gnade besteht darin, als erster gefressen zu werden). Inzwischen fangen die Schleimpilze an, Computer zu bauen (und sie tun das billiger als die Chinesen - so ein Plasmodium verlangt gerade eine Haferflocke am Tag).

Andrew Adamatzky[0] hat aus Agarplatten Schaltkreise geschnitzt, Physarum polycephalum[1] reingesetzt und ihm Haferflocken versprochen. Man musste nicht mal welche hinlegen - der "Pilz"[2] rennt brav geradeaus und weicht auch bei Verlockungen nicht vom Weg ab (alle Bilder aus [0]):

Physarum running straight across a X junction despite of food in the side street

Wenn man jetzt logische Gates bauen will, braucht man ein paar Grundformen und Physarum (oder dessen Abwesenheit, entsprechend 1 und 0) an den Eingängen.



[0] A. Adametzky: "Slime mould logical gates: exploring ballistic approach", physics/1005.2301v1
Anmerkung:
Das ist der Autor, der auch vor zwei Jahren die Phototaxis des Schleimpilzes zum Routing ausnutzte (Internet können die Tierchen auch, und wenn es zu weit zur nächsten Haferflocke ist, reiten sie auf einem Roboter hin).

[1] siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Physarum_polycephalum

[2] kein Pilz, sondern Unikonta[3]→Heterokonta→Amoebozoa→Mycetozoa→Myxogastria→Physarida→Physaridae

[3] Unikonta (d.h. Amoebozoa+Heterokonta(=Pilze, Tiere und Kragengeißler)) gehören zwar zusammen, sind aber eventuell nicht monophyletisch, solange nicht absolut ausgeschlossen ist, dass root@eukaryota dazwischen (d.h. beim Pluszeichen) liegt. Ich habe es hier mal mit reingenommen, weil es in älteren Darstellungen so gemacht wird (das sind die, bei denen es 5 eukaryotische Supergruppen gibt - wenn man hier wie üblich trennt, sind es 6 (die beiden, Chromalvoleata (d.h. Wimpertiere, Braunalgen, Malaria und kleines Zeug), Pflanzen (Rotalgen sowie Grünalgen inclusive Landpflanzen) und noch zwei Supergruppen kleines Wuselzeug - siehe Adi et al.[4])

Edit (2011-06-18): Inzwischen geht man davon aus, dass Unikonta monophyletisch sind.  Ein regelmäßig aktualisierter Stammbaum wird auf http://skepticwonder.fieldofscience.com/ gepflegt.

[4] Adi et al., "The New Higher Level Classification of Eukaryotes with Emphasis on the Taxonomy of Protists", J. Eukaryot. Microbiol., 52(5), 2005, p.399, PDF dort frei verfügbar. Inzwischen gibt es noch neueres, aber AFAIK nichtso recht eindeutig.

2010-05-14

Der Eater kommt

Gregory Benford lag richtig: Das Schwarze Loch im Zentrum von M87 liegt nicht in der Mitte, wo es hingehört, sondern 6.8pc ± 0.8pc (das sind 2.1⋅10¹⁷ Meter, im Bild eine Zehntel Bogensekunde) daneben. Nur die Masse hat er ein klein wenig unterschätzt (so um 15.3 Größenordnungen). Verursacht ist die Verschiebung möglicherweise durch den Rückstoß des Jets (zumindest stimmt die Richtung).
Lest schonmal interessante Sachen (z.B. mein Blog, oder wenigstens den RSS-Feed von arxiv), damit beim Upload ordentlich was ankommt.

2010-05-04

LaTeX-Formeln im Blog

Nach dem vorigen Artikel (Placebo-Zeno-Effekt) kam ich zu dem Schluss, dass es saugt, wenn man zum Eintippen der Formeln zwar Unicode (oder wenigstens den Schnipsel (BMP) davon, den google nicht kaputtgemacht hat) benutzen kann (den Text tippt man in Emacs als UTF-8 mit input-method "TeX"), aber zweidimensionale Formeln gehen eben nicht (abgesehen davon, dass man alles mit <pre> in Courier tippen und manuell einrücken könnte).

Eine Suche nach Lösungen gab im wesentlichen drei Ergebnisse:

1. yourequations

Man soll im Dashboard das hier einfügen

<script> type="text/javascript" src="http://tex.yourequations.com/"></script>

Das dadurch eingebettete JS-File erkennt LaTeX-Quellcode, sendet ihn an den externen Renderserver
http://www.yourequations.com/cgi-bin/mimetex.cgi
und bekommt ein Bitmap zurück.

2. watchmath

Einzubetten ist etwas mehr, siehe Anleitung in http://watchmath.com/vlog/?p=1244, das Prinzip ist dasselbe (das Script ist
http://latexonblogger.googlegroups.com/web/mathtex3.js
und der Renderserver ist
http://www.cyberroadie.org/cgi-bin/mathtex.cgi oder http://mathcache.appspot.com/
).

3. Google-Bordmittel (Chart-API)

Etwas komplizierter, aber angeblich unabhängig von externen Servern (deren Betreiber erstmal Zustimmung zu irgendwelchen Lizenzen verlangen und gelegentlich Probleme mit ihren Hostern kriegen).

Nachteil hiervon: Man muss alles als URL schreiben (<img src="URL"/>) und die URL enthält den Quelltext als GET-Argument.

Die Syntax ist
<img src=URL alt="Alt-Text" title="Title"/>

mit der URL

http://chart.apis.google.com/chart?cht=tx&chl=urlencodeter-Latex-Code

4. Extremversion: Google-Docs


Der Formeleditor von Google-Docs spricht , man schreibt ein Doc dort, gibt es frei und verlinkt es hier. Allerdings gibt das auch nur ein eingebettetes Bitmap (welches z.B. beim Großziehen unscharf wird). Und wenn man diesen Aufwand betreibt, kann man auch gleich ein richtiges Dokument schreiben und den Quelltext hochladen.

1 und 2 habe ich gar nicht erst probiert (ich setze einfach voraus, dass sie funktionieren wie angegeben, will aber nicht von externen Diensten abhängig sein). Variante 3 scheint der beste Kompromiss zu sein. Beachten muss man, dass man alle verdächtigen Zeichen im LaTeX-Quelltext URL-codieren muss (das betrifft hauptsächlich Ampersand=%26, Plus=%2B und Slash=%2f). Größer und Kleiner muss man in Blogger sowieso immer codieren, im normalen Fenster mit &gt; und &gt;, im URL-Code reicht die Verwendung von %3e und %3c.

Abgesehen davon sollte man bei Blogger sowieso immer mal den Quelltext putzen - der Editor fügt da oft sinnlose <span>-Elemente ein, die dann irgendetwas kaputtmachen.

Beispiele (alt="" und title="" sind gesetzt):

sigma3=((1,0),(0,-1))

x<y

2010-05-02

Placebo-Zeno-Effekt

Steven Moffat beschreibt eine neue Variante des Quanten-Zeno-Effekts[1]. Letzter ist bisher in makroskopischer Form nur an Lolkatzen[0] und Engeln beobachtet wurden. Bei anderen makroskopischen Objekten ist davon auszugehen, dass die Dekohärenz die Nichtdiagonalelemente sowieso vernichtet, sodass die zusätzliche Beobachtung auch keine Rolle mehr spielt (und natürlich darf der Hamiltonoperator nicht gerade die spezielle Form haben, die bei Vorhandensein von Dekohärenz oder Beobachtung die Bewegung verhindert).

Und jetzt kommt das genial neue: Was passiert, wenn das Messobjekt selbst intelligent ist?
Bei 30:20 sagt der Doktor "The angels are scared...". D.h. wenn das Messobjekt sich nur einbildet, beobachtet zu werden, kann es sich auch nicht mehr bewegen.
Eine theoretische Beschreibung hierfür gibt es nicht, evolutionsbiologisch hätte es auch keinen Sinn[4].
Man kann natürlich auch annehmen, da hätte einer gepfuscht. RTD wäre das nicht passiert ;-)

[0] Das ist auch der Grund, weshalb man für das Schrödinger-Experiment Katzen nehmen muss: Engel sind zu gefährlich (und vermutlich immun gegen Blausäure), und Hunde unterliegen der Dekohärenz.

[1] Kurzbeschreibung (eine längere ist hier[2] unten angehängt, da das üblicherweise aus Zeitmangel am Ende von QM-Vorlesungen unter den Tisch fällt und die populären Darstellungen (inclusive Wikipedia) mehr mit Handwedeln als mit Formeln arbeiten): Durch Messung geht ein Quantensystem in eine Dichtematrix über, deren Nichtdiagonalelemente gelöscht sind. Da in der Zeitentwicklung der Dichtematrix (für geeignete Systeme) die Zeitableitung der Diagonalelemente linear in den Nichtdiagonalelementen ist, kommt die Entwicklung fast zum Stillstand, wenn man das System in kurzen Abständen immer wieder einer Messung unterwirft.

[2] Es folgt ein ausführlich durchgerechnetes einfaches Beispiel (die Einheiten seien so gewählt, dass ℏ=1 ist).

Hamilton-Operator für einen einfachen Spin:

H=ω((1,-1),(-1,1))

Anfangswert für die Wellenfunktion:

psi(0)=(1,0)

Uns interessiert die Wahrscheinlichkeit, dass der Spin nach "oben" zeigt, das ist beschrieben durch die Observable A:

A=((1,0),(0,0))

Die Schrödingergleichung

d|ψ>/dt=iH|ψ>

liefert dann für die ungestörte Entwicklung die Lösung

psi(t)=(cos(ωt),-i*sin(ωt))

Der Erwartungswert von A hat dann die Form a(t)=cos²(ωt).

Mit der Dichtematrix
ϱ=|ψ†><ψ| erhält man

ϱ(t)=((cos²(ωt),i*sin(ωt)cos(ωt)),(-i*sin(ωt)*cos(ωt),sin²(ωt)))

Wird zum Zeitpunkt t eine Messung der Observablen A durchgeführt, so "kollabiert" die Dichtematrix zu

ϱM(t)=((cos²(ωt),0),(0,sin²(ωt)))

Die Zeitentwicklung einer Dichtematrix ist durch

dϱ/dt=i[H,ϱ]

beschrieben. Der interessante Aspekt wird sofort sichtbar, wenn wir das für eine allgemeine Matrix der Form

X=((α,β),(γ,δ))

ausschreiben. Mit obigem H bekommen wir

[H,X]=ω((β-γ,α-δ),(δ-α,γ-β))

Jetzt berechnen wir den Wert von ϱ für einen Zeitpunkt t+τ, wobei t fest gewählt und τ infinitesimal klein sei.

Für die freie (d.h. ungemessene) Entwicklung bekommen wir (mit den Abkürzungen S=sin(ωt) und C=cos(ωt) [3])

ϱF(t+τ)=ϱF(t)+iωτ((2isin(ωt)cos(ωt),cos²(ωt)-sin²(ωt)),(sin²(ωt)-cos²(ωt),-2isin(ωt)cos(ωt)))

Dieser Ausdruck ist einfach die nach dem linearen Term abgebrochene Taylorreihe der exakten Lösung nach Anwendung der Additionstheoreme von Sinus und Cosinus.

Für den Erwartungswert von A bekommen wir

aF(t+τ)=cos²(ωt)-2ωτsin(ωt)cos(ωt)

was auch mit der Taylorreihe übereinstimmt.

Wurde hingegen zum Zeitpunkt t eine Messung durchgeführt, so
ergibt sich die Zeitentwicklung zu

ϱM(t+τ)=ϱM(t)+iωτ ((0,cos²(ωt)-sin²(ωt)),(sin²(ωt)-cos²(ωt),0))

Man beachte das Fehlen der Diagonalelemente im zweiten Summanden.

Für den Erwartungswert von A bekommen wir nun

aM(t+τ)=cos²(ωt)≡aM(t)

d.h. durch die vorangegangen Messung wurde die Entwicklung kurzzeitig angehalten (im Rahmen der Vernachlässigbarkeit höherer Potenzen von τ). Beobachtet man das System in hinreichend kurzen Abständen dauernd, so kommt die Entwicklung zum Stillstand.

[3] Die Abkürzungen sind notwendig, weil man per GET-Request nur kurze Strings übergeben kann.

[4] Die Hände vorm Gesicht allerdings auch nicht - ein mutierter Schurkenengel, der das Gesicht nicht zuhält, hätte Vorteile gegenüber seinen Artgenossen und würde sich auf deren Kosten vermehrt haben. E.O. Wilson wird hier widersprechen.

Nachbearbeitet 2010-05-04 (Formeln in LaTeX gesetzt)
2011-04-10: Quantenkatzenvideo ist an der alten Stelle verschwunden, neue URL eingesetzt, Latex-Fehler in Formeln behoben (das Chart-API will auch die Pluszeichen als %2b -- eigentlich naheliegend, wenn man darüber nachdenkt)

2010-03-27

Creationism is 98% junk

Gerade mal wieder bei den komischen Leuten gelult, und das hier gefunden:
Immerhin sind noch Reste von Start- (d.h. Großbuchstaben) und Stop- (d.h. Satzzeichen) -bytes vorhanden, es handelt sich also um durch Mutation verstümmelte ehemalige Sätze.

Gefunden ward der Häcksel in Uncommon Descent.

2010-03-21

Golfstrom-News: Jetzt schon bis zum 37. Breitengrad


Er hangelt sich zwar immer noch an der Küste entlang, traut sich aber schon mal wenigstens bis raus zur Nichtschwimmerboje. Mal sehen, ob er dieses Jahr noch über den Atlantik will.

2010-02-28

Konservative versuchen, die Relativitätstheorie zu verstehen

Gerade gefunden bei Jeffrey Shallits "Recursivity": Ein Link auf "Counterexamples to Relativity" in Conservapedia.

Am besten ist Punkt 9. The action-at-a-distance by Jesus, described in John 4:46-54.

Schön ist auch 16. The theory predicts natural formation of highly ordered (and thus low entropy) black holes despite the increase in entropy required by the Second Law of Thermodynamics.

Wahrscheinlich haben die dort ein Prinzip "lest nicht beim Juden". Spinner eben, aber das sagt schon der Name.

Lustig ist auch "Counterexamples to Evolution", und darin

We have the perfect number of teeth to fit in our mouths. While creationism perfectly accounts for that result, evolutionism predicts a contrary result: As our faces evolved from chimpanzee-like faces to human faces, the shortening of the muzzle would have caused the teeth to become overcrowded in the mouth.

"Overcrowded" sieht (nach Demontage) bei mir so aus:

Click to embiggen

2010-02-23

Golfstrom versackt bald ganz

Ihr erinnert Euch sicher an die Meldung bei Fefe, wonach es dem Golfstrom Anfang Janur nicht besonders gut geht (er wollte mal bei Grönland vorbeischauen, ob dort wirklich Tauwetter ist oder er sich selber darum kümmern muss). Das war früher, als die Welt noch in Ordnung war.

Inzwischen wird es richtig lustig, und der Strom endet bei Noth Carolina (die konvexe Ecke Amerikas mit dem Inselbogen davor, wo das orange Wasser endet, ist etwa die Grenze zwischen NC und Virginia).



Aktuelle Bilder und Vorhersagen für bis zu 144 Stunden gibt es (zumindest solange die Zivilisation noch funktioniert) beim NOAA.

2010-02-13

Ungezieferlarven für Mädchen


Gerade bei "Observations of a Nerd" aufgetaucht: Ein Künstler hat Köcherfliegenlarven Goldkrümel und Edelsteine zum Spielen gegeben, und dann bauen sie ihre Häuser daraus.

2010-02-10

Die Insekten sind gerade wieder umgezogen

In The Loom wird gerade ein neues, für Normalbürger unerreichbares Paper [0] (Paywall) zitiert, nach welchem die Insekten innerhalb der Krebse wieder einmal gewandert sind.

Verfügbar ist ein älteres Paper [2] mit fast denselben Autoren und ähnlichem Stammbaum

Der bisherige Status [1] war ja der, dass sie die Schwestergruppe der Branchiopoda (Kiemenfüßer) waren.

Jetzt sitzen sie ein wenig weiter unten, in neu geschaffenen Claden wie "Miracrustacea" und "Altocrustacea" (jedenfalls sind die Namen für mich und Google neu - alle Treffer beziehen sich auf das Paper).

Es gilt also weiter die alte Regel "Insekten sind Krebse, und Springschwänze sind keine Insekten, sondern auch Krebse, aber andere".

Die Bilder kriegt man auch über die Links auf der Nature-Seite (einige Links funktionieren für Sterbliche), das schönste stelle ich mal hier rein.
Hier ist das Bild von Seite 3:




[0] Jerome C. Regier, Jeffrey W. Shultz, Andreas Zwick, April Hussey, Bernard Ball, Regina Wetzer, Joel W. Martin, Clifford W. Cunningham:

Arthropod relationships revealed by phylogenomic analysis of nuclear protein-coding sequences

[1] J. C. Regier, J. W. Shultz, R. E. Kambic:

Pancrustacean phylogeny: hexapods are terrestrial crustaceans and maxillopods are not phylogenetic

[2] Jerome C Regier, Jeffrey W Shultz, Austen R D Ganley, April Hussey, Diane Shi, Bernard Ball, Andreas Zwick, Jason E Stajich, Michael P Cummings, Joel W Martin, Clifford W Cunningham:

Resolving arthropod phylogeny: exploring phylogenetic signal within 41 kb of protein-coding nuclear gene sequence.

PS: Das paper ist auf wundersame Weise bei mir aufgetaucht, oben ist jetzt die scharfe Version des Bildes (PNG, erzeugt mit 600dpi aus Seite 3) eingebunden.

2009-12-30

Mikroskop für Mädchen

PZ hat bei socimages etwas feines gefunden, und zwar eine Seite aus dem neuen Katalog von Toys'ᖆ Us (was macht eigentlich das kanadische THLE (U+1586) bei denen im Namen - der Link in der Schreibweise http://www.toysᖆus.com geht ja gar nicht nicht?).

Weil Mädchen ja keinen richtigen Kram brauchen (von Puppen und Küchendingens abgesehen), gibt es Mikroskope, Teleskope usw. jetzt auch in Rosa, dafür mit etwas weniger Leistung.

Was ich nicht verstehe: Warum lassen die die Optik nicht ganz weg? Plüsch statt so eines harten Okulars ist doch viel angenehmer im Gesicht, und billiger wird es auch - dann reicht Papas Geld für ein größeres Instrument für das Brüderchen.

Andererseits: Wer ein Immersionsmikroskop [SCNR] (anders bekommt man keine nichtleere 1200× Vergrößerung) zu 75$ hinkriegt, der kann davon sicher nicht allzuviele bauen, das reicht dann eben nur für die Jungs.

Anmerkung: Wenn man auf der Website (http://www.toysrus.com) ein wenig herumsucht, findet man die schwachen Geräte auch in Normalfarbe. Allerdings eben nicht so schön auffällig beworben. Die Kundenbewertungen sprechen auch für sich - offenbar kann man selbst solchen einfachen Kram noch schrottig fertigen.

Falls jemand ein Mikroskop für Kinder sucht, welches geht: Das "Kleinmikroskop C" aus der DDR (bis 225× - mehr ist mit billiger Bauweise absolut nicht zu holen!) gibt es immernoch bei Askania (und wesentlich billiger gebraucht).