Pages

Posts mit dem Label Venomdoc werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Venomdoc werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2010-08-05

Schleichen sind giftig, und ich bin schuld daran

Letzten Sonntag auf der Radtour habe ich eine Blindschleiche vom Weg gesammelt und ins Gebüsch gesetzt, ohne mir Gedanken um die Folgen zu machen.

Schwerer Fehler.

Abends zuhause gehe ich ins Internet und finde das hier bei B. G. Fry:

http://venomdoc.com/forums/viewtopic.php?t=4610

mit Link zum Preprint hier: Bryan Grieg Fry, Kelly Winter, Janette A. Norman, Kim Roelants, Rob J. A. Nabuurs, Matthias J. P. van Osch, Wouter M. Teeuwisse, Louise van der Weerd, Judith E. McNaughtan, Hang Fai Kwok, Holger Scheib, Laura Greisman, Elazar Kochva, Laurence J. Miller, Fan Gao, John Karas, Denis Scanlon, Feng Lin, Sanjaya Kuruppu, Chris Shaw, Lily Wong, Sanjaya Kuruppu, Wayne C. Hodgson: Functional and structural diversification of the Anguimorpha lizard venom system.

Man stelle sich den Horror vor, wenn ich ein Kätzchen gerettet hätte und am selben Abend alle Katzen giftig geworden wären. Wahrscheinlich hätte es in der Nacht noch Millionen Tote gegeben.

Nun zum Thema. Untersucht wurden allerlei Warane (lasse ich hier weg, da jeder weiß, dass die giftig sind), Krustenechsen (dito) und drei echte Schleichen (Anguidae): Celestus warreni (Giant Hispaniolan Galliwasp, keine Ahnung, wie das auf deutsch heißt, ist aus Haiti und vom Aussterben bedroht und hat Beine (wenn auch recht kleine)); Gerrhonotus infernalis (Texas Alligator Lizard, bis 60cm lang, Texas, mit Beinen) und Ophisaurus apodus (auch Pseudopus apodus [2], Scheltopusik, bis 1.4m lang, lebt im Balkanraum); außerdem einige wenig bekannte Arten (Shinisaurus crocodilurus und Lanthanotus borneensis, letzteres ein Waran im weiteren Sinne).

Hier ist ein Cladogram der Anguimorpha mit Markierungen der Gifterwerbsereignisse (Bild 1 auf S. 26 im Original).



Wenn ein Gerrhonotus zum Radiologen kriecht und Kernspin vom Kopf machen lässt, sieht das so hier aus (Bild 14, S. 39):



Das orange-lila-gestreifte sind die Abschnitte der Unterkiefergiftdrüse.

Beim Scheltopusik sieht das Maul im Querschnitt so aus (die Oberkiefergiftdrüse ist mit "mmxvg" markiert, die Unterkiefergiftdrüse mit "mmvg", das ganze ist ein kleiner Ausschnitt aus Bild 15, S. 40):



Das ist insofern interessant, als hier die ursprüngliche Ausstattung der Toxicofera (Giftdrüsen im Ober- und Unterkiefer) erhalten geblieben ist.

Leider wurde unsere Blindschleiche (Anguis fragilis) nicht mit untersucht. Aufgrund ihrer Stellung im Stammbaum würde ich ebenfalls Giftdrüsen erwarten, allerdings weitgehend verkümmert wegen [0], und das Gift eventuell kaputtmutiert (analog zur kaputten PLA2 in Aipysurus eydouxii, siehe [1]).

[0] Ungeziefer braucht man vor dem Verzehr nicht vergiften, wenn es sich nicht gerade um Scorpione handelt (das machen einige Echis in manchen Gegenden und haben das passende Gift dazu, siehe Ituri visit + The Scorpion Experiment (viperkeeper auf youtube) oder W. Wüster et al. Co-evolution of diet and prey-specific venom activity supports the role of selection in snake venom evolution).

[1] Fry BG et al.Putting the brakes on snake venom evolution: the unique molecular evolutionary patterns of Aipysurus eydouxii (Marbled sea snake) phospholipase A2 toxins

[2] Ich weiß nicht, wie aktuell die Gattungsnamen sind oder ob vielleicht Pseudopus paraphyletisch bezüglich Ophisaurus ist.

2010-01-26

Zur Abwechslung mal Tiere mit Beinen (Froschgift)

Von BGF aka Venomdoc gibt es etwas neues giftiges (PDF). Die Gene für die Caeruline (Gifte der Hautsekrete, es sind Dekapeptide) entfernt verwandter Frösche (Xenopus (Afrika) und Litoria (Nordaustralien)) stammen von Genen für Hormone (Cholecystokinin und Gastrin) ab, die sich bereits im Kambrium (irgendwann nach den Neunaugen, aber vor den richtigen Wirbeltieren) getrennt haben. Das coole hierbei ist, dass sogar die Aminosäuresequenz identisch geworden ist (QQDYTGWMDF, für Laien wie mich: Gln-Gln-Asp-Tyr-Thr-Gly-Try-Met-Asp-Phe). Das sie überhaupt von so verschiedenen Genen abstammen, erkennt man an den vor und hinter den 10 verbleibenden Aminosäuren befindlichen Sequenzbestandteilen.

2009-12-21

Weihnachtsüberraschung: giftige Dinos

Das Paper (DOI 10.1073/pnas.0912360107) scheint z.Z. nur zwischen Fachkollegen zu zirkulieren, ich hoffe, es taucht auch mal irgendwo auf, wo ich es erreichen kann. Jedenfalls besteht die Aussicht, dass Sinornithosaurus trugnatterartige Giftzähne hatte. Das Tierchen stand nahe am Ursprung der Vögel, und nur durch einen unglücklichen Zufall haben letztere den falschen Urahn erwischt.

Umschreibungen findet man bei Scienceticker und Notrocketscience (letztere ist die beste, der Autor hat Kontakte zu BGF und dessen Meinung eingeholt).

Edit (2011-06-18): Das Paper (incl. Fulltext-PDF) ist bei http://www.pnas.org/content/107/2/766.full.pdf+html verfügbar.

2009-11-27

Shrew venom paper freely available

The paper "Convergent evolution of novel protein function in shrew and lizard venom" by Aminetzach et.al. (Hoekstra Lab, Harvard) has become freely available. It was mentioned last month all over the media, so I don't need to describe it here again. OTOH, Venomdoc's "The Toxicogenomic Multiverse" disappeared from his download area - but I assume everybody has got it by now.

PS: Venomdoc's page changed again - the directory "/downloads" seems to be stale, there is now a directory http://www.venomdoc.com/venomdoc/Scientific_publications_files/ which contains the multiverse paper.

OTOH, TANSTAAFL: The directories in the filesystem are now somehow preprocessed by the webserver, and the conventient link "Last modified" at the top is gone.